Von Unterammergau zum Pürschling

Felsnadel beim Pürschlinghaus.
Felsnadel beim Pürschlinghaus. Wie das benachbarte Brunnenkopfhaus konnte Ludwig auch den Pürschling von Linderhof aus gut erreichen. Fast jedes Jahr kam er im Juni herauf.
Aussichtsgipfel über Ettal

Herrlich ist bei hellem Himmel der Doppelblick vom Pürschling – und auch vom Teufelstättkopf – ins Ammergauer und Estergebirge und hinaus ins Alpenvorland. König Ludwig II. hat den Pürschling schon im Sommer und Herbst 1865 zu Pferd und danach immer wieder aufgesucht. Die Berghütte auf dem Pürschling war eine der neun Hütten, die er alljährlich für mehrere Tage bewohnte, seit den 70er Jahren nach fester Abfolge. Im Graswangtal südwestlich vom Pürschlinggipfel ließ der König sich sein Schloß Linderhof bauen.

Ludwigs Reitweg von Unterammergau zum Pürschling hinauf wurde verbreitert, zu einem immer noch schmalen, rauhen Fahrweg. Diesen Weg, der im unteren Teil jetzt eine breite Forststraße ist, steigt man an der Schleifmühlenlaine bergan (Laine = Bach; Markierung grünes Quadrat). Es ist zugleich der Maximiliansweg Lindau – Berchtesgaden und der Europäische Fernwanderweg Pyrenäen – Neusiedler See (E 4). Auf dem Rückweg kann man später die ausgeschilderte Klamm durchwandern, jetzt lockt erst einmal der Gipfel. Nach etwa einer halben Stunde hält man sich an der Weggabelung links auf dem schmaleren Kurzweg (roter Punkt), folgt nicht dem Kurztalweg. Der Bach läuft jetzt linker Hand zu Tal.

Märchenhaft schön glänzt am Weg der moos-samtige Waldboden im Sonnenlicht auf. Als frommes Zeichen hat ein Steinmetz an einer Felswand das Relief des Christuskopfes mit Dornenkrone herausgemeißelt. Es geht stetig bergan, nur für etwa 200 m durchwandert man einen ebenen Grund zwischen den Berghängen und kreuzt dort eine neuangelegte Erdstraße für die Holzarbeit. Auf der Lichtung nach der nächsten Steigung haben vor einem Jahrhundert »einige Idealisten aus Unterammergau« die zierliche Josefskapelle im Neorokokostil erbaut, zum Gedenken an die in den Bergen Verunglückten. Viele Gedenktafeln stammen aus jüngster Zeit. Während der letzten Dreiviertelstunde bis zum Pürschlinghaus öffnen sich immer
weitere Ausblicke, wechselnd ins Voralpenland hinaus und zu den dramatisch zerklüfteten Dolomitgipfeln des Estergebirges.

Die Sonnenterrasse des Pürschlinghauses kann Rastplatz sein, bevor man noch eine halbe Stunde weiter zum Teufelstättkopf aufsteigt. Knapp unterhalb des Pürschlinghauses zeigt seit 1986 ein Metallrelief Ludwig II. mit Landleuten im Gebirge. Der prächtigste Talblick reicht zur Barockkuppel der Ettaler Klosterkirche, nur Schloß Linderhof bleibt unter den Hangwäldern versteckt.

Talwärts bieten sich mehrere Varianten (siehe unten). Will man direkt zu seinem Wagen auf dem Wanderparkplatz von Unterammergau zurückkehren, wartet noch die Klamm (ausgeschildert, rotes Quadrat). Ein gut gesicherter Steig über Brücken und an den Steilwänden entlang erschließt die phantastische, hier gar nicht vermutete Felsund Wasserlandschaft. Nur bei Nässe und Schnee wird die Schlucht problematisch oder ungangbar. Letzte Mauerreste erinnern an die einstige Nutzung des Baches für Mühlen, in denen jedoch nicht Getreide gemahlen, sondern Wetzsteine für Messer und Sicheln hergestellt wurden.

Pürschlinghaus
Auf dem Weg zum Pürschlinghaus wäre König Ludwig II. 1885 beinahe verunglückt.

Auch mit König Ludwig II. verbindet sich eine Pürschling – Erinnerung.: Ein Jahr vor seinem Tod unternahm er eine nächtliche Tour vom Brunnenkopf zum Pürschling, mit dem Gefreiten Thomas Osterauer aus Weidach bei Wolfratshausen als Diener. Osterauer berichtete später von einem Beinah-Unfall: »Nachts mußte ich den König nach dem Pürschling begleiten. Der Weg war schmal, ich mußte hinter ihm gehen. Links von uns waren Felswände, rechts der Abgrund. Wir hatten schon eine lange Strecke hinter uns, als plötzlich ein Steinklotz herabsauste. Wenn der König auch nur noch einen Schritt gemacht hätte, wäre er zerschmettert worden. Ich hätte ihn nicht mehr zurückreißen können. Nachdem er sich Von seinem Schrecken erholt hatte, meinte er:  » Abscheulich, wird eine Gams gewesen sein.«

Osterauer fügte seinem Bericht noch hinzu: »Das dachte ich damals auch, aber nach dem Vorkommnis am Starnberger See (gemeint: der ungeklärte Tod des Königs) dachte ich anders.«