Von Oberammergau auf den Kofelgipfel

Der Kofel, Hausberg Oberammergaus
Marmorkruzifix und Königssteig

Alle zehn Jahre ziehen die Passionsspiele Menschen aus aller Welt in das Gebirgsdorf im Werdenfelser Land. Seit mehr als dreihundert Jahren ist jedesmal das ganze Dorf beteiligt. 1870 mußten die Aufführungen aber
abgebrochen werden und die jüngeren Darsteller im Krieg gegen Frankreich kämpfen. Daß das Passionsspiel 1870 überhaupt stattfinden konnte, war Ludwig zu verdanken. Mit Schreiben an das bayerische Kriegsministerium hatte er die Freistellung von Passionsspielern in den Monaten vor dem Kriegsausbruch erwirkt. Als im Herbst 1871 die ausgefallenen Vorstellungen nachgeholt wurden, kam aus Linderhof auch König Ludwig II. mit nur vier Begleitern nach Oberammergau, zu einer eigens für ihn veranstalteten Separataufführung. Tief bewegt von dem Gesehenen reiste er wieder ab.

Die Wanderung auf den Kofel führt vom Tal der Ammer am Südrand des Ortes Oberammergau von der sogenannten Kälberplatte die steilen Hänge des Bergwalds hinauf, wo auch der Name »Königssteig« an Ludwig II. erinnert. Bis zum Kofelsattel steigt man in der ersten Stunde fast 400 m. Vom Sattel aus kann man den noch einmal reichlich 100 m höheren Gipfel angehen, auf einem Pfad mit Drahtseilsicherung.

Wem die Gipfelhöhe zu luftig ist, dem bietet sich der Königssteig zum Weiter wandern an, auf den auch die Gipfelkletterer zurückkehren. Der Steig verläuft an den Hängen des Vorderen und Hinteren Rappenkopfs und des Brunnbergs. Man kann ihm bis zur Kolbensattelhütte folgen (von dort Sesselbahn nach Oberammergau) oder kurz vorher scharf rechts zur Kolbenalm abbiegen. Weiter hinab zur Talstation und dort wieder rechts zum Grottenweg! Noch vor der Fahrstraße zur Kolbenalm erreicht man das zwölf Meter hohe Marmormonument, das Ludwig II. den Oberammergauern zum Dank für ihr Passionsspiel schenkte.

Mehr groß als stark, wird mancher angesichts des frommen Bildwerks sagen. Ludwig hatte es beim Münchner Bildhauer Johann Halbig – dem gleichen, der den steinernen Löwen am Lindauer Hafen schuf – in Auftrag gegeben, und Halbig schuf ein Werk im kühlen, wie erstarrten Pathos seiner Zeit.

1875 traten Christus, Maria und Johannes die Reise von der Isar an die Ammer an. Eine dampfgetriebene Zugmaschine war eigens für den Transport des 300 Zentner schweren Kruzifixes durchs Oberland konstruiert worden, keuchend schaffte sie auch den Ettaler Berg. Der von 32 Pferden gezogene Wagen mit der Johannesfigur aber verunglückte. Bei einem Halt hatte der Steinmetzmeister Hauser einen schweren Bremsknüppel hinter ein Vorderrad gelegt und ihn beim Wiederanfahren vergessen. Das Hinterrad kollidierte, die zwei Tonnen schwere Figur rutschte über die Ladefläche, Hauser und ein Tiroler Arbeiter wurden getötet. Die steinerne Fracht kam trotzdem an ihr Ziel.

Zur Erinnerung an den König wird das festliche »Ludwigsfeuer« an jedem 24. August, dem Vorabend seines
Geburtstags, auf den Bergen um Ober ammergau entzündet. Am ersten Februarwochenende nehmen Tausende Langläufer am Oberammergauer »König-Ludwig-Lauf« teil.