Vom Tegelberg nach Neuschwanstein

Berggasthaus Bleckenau
Berggaststätte Bleckenau: im Kern noch immer das Haus, das schon Ludwigs Eltern und Ludwig II. selbst oft und gern besuchten.
Aussichtsberg und Pöllatschlucht

Ein langer schöner Umweg zum meistbesuchten aller Schlösser König Ludwigs steht auf dem Programm. Neuschwanstein schon vor Augen, steigen wir in eine Kabinenbahn und fahren auf den Tegelberg (1720 m) hinauf. Warum der Umweg? Auf dem Tegelberg sind wir gleich im ehemals königlichen Gelände. Wenige Schritte von der Bergstation der Seilbahn erreicht man die Berggaststätte Tegelberghaus, bitte nicht zu verwechseln mit der viel größeren und modernen Panorama-Gaststätte Tegelberg, die sich mit der Seilbahnstation unterm gleichen Dach eingerichtet hat.

Königlicher Bauherr der außen und innen bescheideneren Berggaststätte war Ludwigs II. Vater. Auf die natürliche Terrasse treten, links zu den Gipfeln der Ötztaler und Lechtaler Alpen schauen, zum nahen steil-klobigen Fels des Säulings, hinab in die grüne Tiefe der Pöllatschlucht – und rechts hinaus reicht der Blick ins Allgäuer Land, über den Forggensee und Bannwaldsee, an sehr klaren Tagen bis nach München. Glanzvoll! Wer das erlebt, versteht König Max II., der sich hier 1852 eine Jagdhütte erbaute, Kronprinz Ludwig war gerade sieben Jahre alt.

Die Terrasse verlockt zum Brotzeitmachen, man sonnt sich unter den grünen Fensterläden und Geranienrot.

Aber unser Umweg nach Neuschwanstein soll noch über ein zweites ehemals königliches Jagdhaus führen, darum geht es vom Tegelberg nicht gleich an der Nordflanke hinab zur Marienbrücke (eine »Direttissima« mit vielen Serpentinen und Ausblicken auf die Königsschlösser). Sondern wir wandern erst einmal südostwärts nahezu hangparallel unter dem steilen Branderschrofen (1880 m) auf dem ehemaligen königlichen Reitweg. Der ist heute auch Naturlehrpfad, mit Informationen über den Wettersteinkalk, den Hauptdolomit, die bewimperte Alpenrose oder die 1,20-m-Flügelspannweite des Kolkraben (Neuanlage der Tafeln 1998). Wegkreuzungen locken weiter ins Gebirge hinein, zur Ahornspitze und zur Felspyramide des Geiselsteins (»Matterhorn des Ostallgäus«). Der Wanderpfad zur Bleckenau wendet sich süd- und dann westwärts mit vielen Kehren ins Tal, wird zur Forststraße und trifft etwa 1,5 Std. nach dem Aufbruch vom Tegelberg auf die asphaltierte Straße von Hohenschwangau zur Bleckenau je nach Jahreszeit Busverkehr ins Tal). Oberhalb der schmalen Schlucht des Pöllatbachs im Talgrund ist nach einer Viertelstunde das ehemalige, zum Wirtshaus vergrößerte Jagdhaus Bleckenau auf seinem Wiesenplan erreicht.

Ludwigs II. Vater Maximilian hatte dieses »Schweizerhaus« nach dem Muster der »Mariannen Cottage« in Schlesien errichten lassen, wo seine Gattin Marie früher mit ihren Eltern Sommerwochen verbracht hatte. In flachem Bett fließt die Pöllat vor der holzdunklen, blumengeschmückten Fassade und der Gastterrasse vorbei, ein wunderschöner. Rast- und Kinderspielplatz unter den Felsgraten. Die Prinzen Ludwig und Otto sind mit ihrer Mutter gern bei der Bleckenau gewesen.

Für den Weg durchs Pöllattal zum Schloß Neuschwanstein wählt man am besten den Waldweg links unter dem Hang des Säulings, denn auf der Straße rechts Vom Bach sind Radfahrer und der Zubringerbus des Bleckenau-Gasthofs unterwegs und man wandert – siehe oben- auf Asphalt. Ein kurzer Abstecher schon nahe beim Schloß führt auf die schmale Marienbrücke 90 m hoch über der Pöllatschlucht. Zuerst 1842 im Hochzeitsjahr Maximilians und Maries als Holzsteg erbaut, mußte sie 1850 und 1866 erneuert werden. Eine Nürnberger Firma hat die Eisenkonstruktion errichtet, das Metallschildchen vom 21. Oktober 1866 bezeugt’s, und damit eine optimale »location« für Fotografen geschaffen. Touristen aller Länder lassen sich am Brückengeländer vor dem kalkweißen Traumschloß über der Schlucht ablichten.

Nach dem nächsten berühmten Aussichtsplatz – namens »Jugend«, mit Ausblick nach Schloß Hohenschwangau hinüber-steigt man in die Schlucht hinab, kommt am Fuß des Gebirges und durch Wald- und Wiesenland leicht zum Parkplatz an der Tegelberg-Talstation zurück.

Wenn die Wartereihen an den Kassen von Schloß Neuschwanstein nicht zu lang sind, kann man zuvor auch noch die Schloßbesichtigung aufs Programm setzen.