Über dem Sylvensteinsee

Sylvensteinspeicher
Ein Alpensee, den König Ludwig II. nie gesehen hat: der Sylvensteinspeicher entstand erst lange nach seinem Tod, 1959 wurde er geflutet.
Der Grammersberg über Fall

Das alte Dorf Fall am Zusammenfluß von Isar und Dürrach ist zur Legende geworden, seit im Jahr 1959 der Sylvensteinsee geflutet wurde und die Häuser der Köhler und Flößer versanken. Seither wird im Elektrizitätswerk in der Sperrmauer Energie gewonnen, mit harmonischem Schwung überspannt die Straßenbrücke den Stausee, und die Isar bedroht das Unterland nicht mehr mit Uberschwemmungen.
Im Naturzustand war die Wildwasserschlucht der Isar unter dem Falkenberg mit ihren Felsnadeln und Katarakten und den acht Meter herabstürzenden Wasserfällen lebensgefährlich vor allem für die Flößer. »Die meisten   …zogen es vor, eine Strecke oberhalb der Fälle ans Land zu steigen, die steuerlosen Flöße an den Felsen der Flußenge zerschellen zu lassen und dann weiter unten im Strom die einzeln dahertreibenden Stämme wieder aufzufangen«, beschreibt Ludwig Ganghofer (1855-1920) diese wildromantische Landschaft in seinem Roman »Der Jäger von Fall«.

Auch das Dorf Fall schildert Ganghofers Roman: » …ein kleines Bauernhaus zuvorderst an der Straße, dann ein Wirtshaus, das den Köhlern und Flößern zur Herberge dient, dahinter das langgestreckte Forsthaus mit den grünen Fensterläden und dem braungemalten Altan, das neue weißgetünchte Stationshaus der Grenzwache, eine kleine rußige Schmiede und einige Köhlerhütten, das war um 1880 der ganze Häuserbestand von Fall.. Am lautesten war es, wenn des Abends die Schatten niederstiegen über die Berge; dann füllte sich die geräumige Gaststube des Wirtshauses mit Köhlern und Flößern, die Jagdgehilfen kamen hinzu und ebenso die Holzknechte, die in den benachbarten Bergen arbeiteten. Durch die offenen Fenster schollen dann vergnügte Lieder hinaus in die Abendluft, die Zither klang, verstärkt durch die schnarrenden Töne einer Gitarre oder einer Mundharmonika, und der Fußboden dröhnte unter dem Stampftakt eines Schuhplattlers.«

Dieses Stück Altbayern vorm inneren Auge kann man sich am besten vorstellen, wie Ludwig II. Fall erlebt haben mag. Wenn man heute zur Wanderung auf den Grammersberg aufbricht, präsentiert sich der neue Ort schmuck und fast schick, eine Waldsiedlung nah am See mit Komforthotel und viel Platz für parkende Autos. Zwei Rundwege um Fall sind markiert, der große und der kleine, die sich zum Teil auch decken. Unser Weg kreuzt von der Ortsmitte her die Straße (Unterführung), folgt ein Stück südwestwärts dem Sylvensteinufer und wendet sich dann mit nochmaliger Unterquerung der Straße südwärts, den Waldhang am Roßkopf (1132 m) hinauf. Kurz vor der Wies-Alm zweigt rechts der Serpentinenweg zum Grammersberg ab, und auf kurzer Distanz sind rund 300 Höhenmeter zu ersteigen. Gut begehbar verläuft der Weg knapp unter dem Grammersberg-Gipfel bis zur Grammersberg-Alm. Die Forschungen Franz Mertas haben belegt, daß sich Ludwig II. vom Anfang bis zum Ende seiner Königszeit alljährlich in den Bergen ums Isartal aufgehalten hat und seit 1868 regelmäßig zwischen Ende Juni und Mitte Juli einige Tage in der Vorderriß wohnte. Von dort aus wurden Exkursionen in die Berge unternommen, meist oder möglicherweise auch jedes Jahr einmal auf den Grammersberg.

Heute gibt es auf den Almen keine Bewirtung, man muß die Brotzeit im Rucksack haben. Wer das Bergerlebnis noch steigern will und sehr ausdauernd ist, geht über den Pürschschneid zum Grasköpfl (1739 m) und wandert über den Reitsteig zum Rißbach hinab (Busfahrzeiten vorher erfragen!). Leichter ist es und auch ein schönes Landschaftserlebnis! , wieder Richtung Roßkopf zurückzugehen. Wenn man den Rundweg erreicht hat, kann man ihm nach rechts folgen und kommt so auf einem anderen als dem aufwärts benutzten Weg wieder nach Fall zurück.