Königssee und Feuerpalfen

Kirchlein St. Bartholomä am Königssee
Als dem Kirchlein St. Bartholomä am Königssee der Abbruch drohte, sorgte der König auf seine Kosten für die notwendigen Reparaturen.

Im Herzen des Nationalparks

Damit der Tag gut gelingt: erkundigen Sie sich nach dem Schiffsfahrplan! Bei der Anlegestelle » Kessel« wird nur auf Anfrage gehalten, außerhalb der Saison verkehren nur wenige, im Winter keine Boote bis zur Station »Saletl« am Südende des Sees! Die Fahrt über den dunkelgrünen See zwischen Bergwänden und Gipfeln kann ein wunderbares Erlebnis sein. Zur Urlaubszeit eskaliert das Gedränge an der Schiffslände im Dorf Königssee allerdings wie auf dem Oktoberfest, und Dutzende von Elektrobooten sind permanent vollgeladen unterwegs, von den stimmungsvollen altersbraunen Bootshäusern und der Insel mit der Nepomukstatue im Norden des Sees zur markanten Doppelkuppel von St. Bartholomä. Unter der Steilwand des Watzmanns greifen die Schiffsbegleiter gern zu Flügelhorn Oder Trompete, Iiefern ein Solo ab und lassen die Passagiere übers manchmal fünffache Königssee-Echo staunen Trinkgeld wird genommen.

Der Weg vom »Kessel« zur Gotzentalalm (1108 m) verläuft noch auf den gleichen Serpentinen wie der 1848 für die bayerischen Könige angelegte Reitweg und fordert erst einmal Kondition. Eine Forststraße führt über die verfallene Seeaualm südwärts zum weiträumigen grünen Plateau der
Gotzenalm. Kann der Rundblick schöner sein ? Man sollte doch noch nordwestwärts zum Aussichtsplatz Feuerpalfen wandern und den Blick hinab auf St. Bartholomä auskosten! Falls Sie jemand fragt, was »Palfen« sind: So nannte man mit einem bayerischen Wort überhängende Felsen.

Wieder auf dem königlichen Reitweg geht es von der Gotzenalm zur Regenalm. Nachher braucht man auf dem gut ausgeschilderten Kaunersteig zum »Saletl« hinunter gesunde Kniegelenke, immerhin sind an die tausend Holzbohlenstufen zu bewältigen. Drunten kann man einkehren, bis zur erholsam bequemen Schiffsfahrt nach St. Bartholomä.

Wenn man morgens früh aufgebrochen ist, wird noch Zeit bleiben, um
die Kirche St. Bartholomä neben dem einstigern Jagdschloß der Wittelsbacher zu besichtigen (heute Gasthof). Schon im 12. Jh. wurde die »Basilica Chunigesse« der hl. Maria und der hl. Drei faltigkeit geweiht. Erst seit dem 16. Jh. kennt man sie als Bartholomäuskirche, dem Heiligen der Hirten, Senner und Landleute gewidmet. Der barocke Umbau zur heutigen Gestalt mit der unverwechselbar behäbigen Doppelkuppel und den unterschiedlichen Türmchen vollzog sich in mehreren Phasen im 18. Jh. und verband das Kirchlein mit dem benachbarten Jagdschlößchen.

Gottesdienste werden nur noch selten gehalten. Brautleute, die hier die Ringe am Altar tauschen wollen, müssen den Pfarrer mitbringen. Aber am letzten Wochenende im August feiert man das Bartholomäusfest wie seit je mit Pilgern aus dem Pinzgau. Ofters lädt St. Bartholomä zur » Königs-Seerenade«, mit Konzert in der Kirche und Menü im Gasthof, in dem auch Ludwig II. tafelte und nächtigte.
Als Kind und Heranwachsender wohnte er öfters im Schloß in Berchtesgaden. Das war bis 1809, als Berchtesgaden an Bayern fiel, die Residenz der Fürstpröpste gewesen und ist nun ein vielteiliger Museumsbau mit Kreuzgang und Renaissancesaal, fürstlichen
Appartements und rosenblühendem Terrassengarten. Kostbare Kunstwerke, von Tilman Riemenschneider bis zu den Malern der Romantik und des späteren 19. Jahrhunderts, Porzellane und Wandteppiche sind ausgestellt.Aber auch vom Prinzenalltag blieben familiäre Spuren. »Vielleicht hat er sich da gewaschen«, sagt der Führer und zeigt auf den Wandbrunnen in der Halle. Im Obergeschoß halten die elterlichen Merkstriche am Türstock noch fest, wie die Kinder wuchsen und wie groß der Kronprinz als Sechsjähriger war. An sei nem 17 Geburtstag wurde er draußen am Königssee in den Hausritterorden des heiligen Hubertus aufgenommen, ein Jahr später, 1863, beschwor er in Berchtesgaden die bayerische Verfassung – und wieder ein Jahr später war er schon König.