Freundin Sisi – schöne Kaiserinnen, Rosen und Briefe

Sisi, Kaiserin Elisabeth von Österreich, war wie Ludwig II. ein Mensch, der sich den Konventionen der Gesellschaft verweigerte - und eine sportliche Wanderin dazu.

Im Sommer 1864 war großes Treffen gekrönter Häupter im bayerischen Bad Kissingen. Zar und Zarin von Rußland, Kaiser und Kaiserin von Österreich waren anwesend. Der noch nicht 18jährige Ludwig II., erst seit
wenigen Monaten König, fühlte sich zu der schönen Zarin Maria Alexandrowna, einer Prinzessin von Hessen-Darmstadt, sehr hingezogen, verbrachte viele Stunden in ihrer Gesellschaft und verehrte in ihr, der 21 Jahre älteren, das ideal einer Muttergestalt. Allzugerne hätte er Maria Alexandrowna anstelle der eigenen, Kunst und Geist gegenüber ganz gleichgültigen Mutter als begleitende Stütze zur Seite gehabt.

Auch Sisi, die Gattin Kaiser Franz Josephs, war einige Jahre alter als er aber nur acht, und sie war ihm von Jugend an gut bekannt, vertraut und überdies nah verwandt. Sisi – so unterschrieb Elisabeth ihre privaten Briefe war die Tochter des Herzogs Max in Bayern. Ihre große Familie wohnte sommers in Schloß Possenhofen gegenüber von Schloß Berg, in dem Ludwig sich gerne aufhielt. Der Vater Max war im Vergleich zu fürstlichen Zeitgenossen das, was man heute einen lockeren Typ nennen würde, »Zithermaxl« hieß er wegen seiner Liebe zur Volksmusik, Die Her zogin sah um so mehr auf die Wahrung des Standesbewußtseins, stolz darauf, Tochter Elisabeth so früh an den Hof in Wien verheiratet zu haben Der Kaiser war »gute Partie«, aber die Ehe nicht glücklich. Was die junge Kaiserin in ihrem Ehemann vermißte, eine sensible Seele voller Neigung zu Poesie und Musik, das traf sie bei ihrem jüngeren Verwandten Ludwig.

Gemeinsames Schwärmen, gemeinsames Fabulieren, das Naturerlebnis an den Ufern des Starnberger Sees – das war die Grundlage herzlichen Verstehens. Beide waren auch passionierte Reiter und begeisterte Alpenfreunde. Elisabeths Empörung über Ludwigs kränkende Auflösung der Verlobung mit ihrer Schwester Sophie war schließlich nicht nachhaltig. Um der Mutter und der Familie nahe zu sein, hielt sich Elisabeth immer wieder in Possenhofen auf und belegte dann das Hotel Strauch in Feldafing. Bei diesen Aufenthalten ließen sich Begegnungen von Kaiserin und König verabreden, offenbar auch ohne Zeugen. Auf der Roseninsel gab es einen Schreibtisch als Briefdepot, zu dem beide einen Schlüssel hatten. Erst in späteren Jahren kamen sie seltener zusammen. Kaiserin Elisabeth war aber nicht weit, als Ludwig sein trauriges Ende fand. Als die Todesnachricht sie in Possenhofen erreichte, zeigte sie sich voller Verzweiflung. »Der König war kein Narr, nur ein in Ideenwelten lebender Sonderling. Man hätte ihn mit mehr Schonung behandeln müssen«, rief sie aus. Wahrscheinlich hat kein Mensch den König besser verstanden als sie, weil beide als Außenseiter lebten, eher bereit, ihre Mitmenschen zu brüskieren, um den Preis wachsender Vereinsamung, als sich dem Zwang von Zeremoniell und oberflächlicher Konversation »pappelne nannte Ludwig das – anzupassen und 2u unterwerfen.

Leider wurde nie sicher beweisbar, was bei Fischern und anderen Anwohnern des Starnberger Sees lange erzählt wurde: daß Kahn und Kutschen bereitstanden, den König ans andere Ufer und mit Unterstützung seiner hochgestellten Verwandten ins sichere Ausland jenseits der bayerischen Grenzen zu bringen.

Auch Elisabeth starb zwölf Jahre später gewaltsam, nach vielen Reisen in Europa und über Europa hinaus, die sie mit sportlicher Energie und starkem Selbstbewußtsein gegen die Widerstände des Wiener Hofes durchsetzte. Ein italienischer Attentäter stieß ihr am Genfer See ein Messer in die Brust.