Aus dem Graswangtal zu den Brunnenkopfhäusern

Schloß Linderhof
Schloß Linderhof - anders als Neuschwanstein und Herrenchiemsee konnte Ludwig es vollenden.
Von Linderhof zur malenden Wirtin

Wer im weitläufigen Park nur bis zu Ludwigs II. Schloß Linderhof käme, um Lüster, Spiegel und das haushohe Prunkbett zu bestaunen, der hätte viel zu wenig gesehen. Die Linderhof-Architektur erinnert mit ihrem Prunkgiebel manchen stark an eine sahneweiße Konditortorte, imponiert anderen mit dem üppigen Gold ihrer Salons, und jeden kann sie mit dem Spiel der zahllosen Spiegel und Lichter faszinieren, in dem sich die Pracht von Gemälden, Amoretten und Meißener Kronleuchtern wie in einer endlos verzweigten Höhle vervielfältigt. Gerade in Linderhof ist aber auch das landläufige Klischee vom Traumschloßbauherrn Ludwig zu korrigieren, der angeblich lebenslang auf zwei Epochen, auf den bourbonischen Barockstil seiner Idealgestalt Ludwig XIV. und auf das deutsche Mittelalter fixiert war.

Im Linderhofpark wandert man aus einer Kultur zur anderen, durch grundverschiedene Stilwelten. Ludwigs II. künstlerische Leidenschaft für Imitationen und Variationen zeigte sich auch an Orientalischem interessiert und beförderte einen »Maurischen Kiosk« mit Goldkuppeln, Marmorbrunnen und Pfauenfedern in sein Alpental. 1867 hatte er das exotische Kleinbauwerk auf der Pariser Weltausstellung gesehen und später von dem Eisenbahnkönig Henry Strousberg erworben.

Maurischer Kiosk
Märchenhaft der Saal des Maurischen Kiosks. Auf Umwegen ist Ludwig in seinen Besitz gekommen.

Einige Schritte weiter hinauf im Park ließ sich der König die »Venusgrotte «  mit künstlichem See, Muschelkahn und plätscherndem Wasserfall bauen. Trotz aller technischen Kunstgriffe seiner Architekten wird Ludwig allerdings stärkste Autosuggestion eingesetzt haben, wollte er sich zwischen den zementgrauen Wänden und jahrmarkts bunten Lampen in Tannhäusers magisch erotischem Hörselberg glauben oder auch blaue Beleuchtung bitte! in Capris Blauer Grotte. »Ich will nicht wissen, wie es gemacht wird, ich will nur die Wirkung sehen «, soll der König als Richtlinie ausgegeben haben.

Ein dritter Parkbau führt – wieder auf Richard Wagners Spuren – noch tiefer in die germanische Sagenwelt hinein, zu Wälsungen und Walküren. Auf der Opernbühne spielt der erste Akt der » Walküre« in der »Hundinghütte«. Der Nachbau samt der Dekoration aus Streitäxten, Trinkhörnern und vielerlei zu Hausrat verarbeiteten Geweihen sieht derzeit noch überraschend fabrikationsneu aus. Das ist erklärlich: 1945 abgebrannt, konnte die Hundinghütte erst 1990 wieder aufgebaut werden.

Nur ein langer Sommertag wird Zeit genug geben für beides: für die Besichtigung von Linderhof und für den Aufstieg zu den Brunnenkopfhäusern. Der beginnt im Westen des Parkplatzareals am Dreisäulerbach und führt an der Parkumzäunung entlang. Die Ausschilderung wechselt, zeigt Brunnenkopf und Pürschling an – in dessen Richtung bringt den Wanderer der Aufstieg nordostwärts, wenn man nicht den kürzesten, steileren Weg nordwestwärts nehmen will. Mehrere Forststraßen werden beim Serpentinen-Anstieg durch den Linderwald gequert, mit durchgängiger Markierung bis zur Wegteilung unterhalb des Laubenecks.

Man hat die Wahl: Noch die kurze Strecke ostwärts zum Pürschling gehen und dort schon einmal Rast machen oder gleich weiter auf den Hangweg zum Brunnenkopfhaus? Auf den Pürschling führt auch eine interessante Tour von Unterammergau. Auf dem Hangweg wandert man ohne größere Steigungen und mit immer neuen Ausblicken über dem Graswangtal entlang, ein Bergerlebnis, das Ludwig II. sehr geschätzt hat, obwohl er sich sonst oft lieber in seinem Bergwagen fahren ließ oder im Sattel unterwegs war. Auch ohne Ludwig-Erinnerungen und Fernblick wäre das Brunnenkopfhaus heute ein beliebter Wanderertreff: wegen der Hüttenwirtin, die ihre Doppelbegabung des Malens und des Kochens zur doppelten Freude ihrer Gäste entwickelt hat es gibt gut zu essen und an den Wanden immer etwas zu sehen.